Wer viel fragt, kriegt viel Antwort

Herr Professor Bruhn, was tun Sie am liebsten?
Arbeiten. – Beim Wein über die Künste schwätzen. Wandern. Lesen. Eisenbahnfahren. Leben.

Sie haben ihre Memoiren geschrieben?
Ja – das Buch heißt »Marmor, Stein und Liebeskummer« und ist bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen. Ein sehr schönes Buch mit vielen interessanten Informationen, so meine ich wenigstens.

Ihr ältestes Vorbild?
Platon. Aber nicht wegen der platonischen Liebe.

Ihr Lieblingszitat?
Seltsam ist Propheten Lied, doppelt seltsam, was geschieht (Goethe).

Waren Sie Ihren Ehefrauen treu? – Und: Sollte man treu sein?
Oft. – Ja. In der Tat.

Wieso sind Sie zum fünften mal verheiratet?
Weil alle meine Frauen, bis auf die Erste, mich nach einer gewissen Zeit verlassen haben. Anscheinend ist es nicht so einfach, mit mir zu leben. Aber Ordnung muss sein.

Ihre unangenehmste(n) Eigenschaft(en)?
Erstens: Schulmeisterei. Zweitens: Ungeduld, aber das sagt ja wohl fast jeder.

Ihre gute Eigenschaften, wenn es denn mehr als eine sein sollten?
Zuverlässigkeit, um Redlichkeit bemüht.

Was würden Sie nie, auf keinen Fall tun?
Um des finanziellen Vorteils willen lügen.

Was haben Sie im Leben erreicht, worauf sind Sie stolz?
Stolz bin ich überhaupt nicht. Stolz auf Herkunft oder Leistung ist dumm. Ich freue mich über meine Lieder, meine Fernseh- und Kinder-Musiken. Ich freue mich, dass viele Menschen und auch viele junge Menschen meine Musik lieben und mir das auch schreiben. Ich habe zudem durch mein GEMA-Ehrenamt manches bewirken können. Ich bin dankbar, dass ich gesund und friedlich leben kann.

Schauen Sie beim Komponieren dem Volk aufs Maul?
Nein, das Volk schaut mir aufs Maul.

Sie haben viele Ehrungen, aber kein Bundesverdienstkreuz.
Ich möchte kein Bundesverdienstkreuz. An die 1000 Stück werden pro Jahr verliehen. Einmal war ich bei einer Massenverleihung dabei. Seitdem möchte ich nicht mehr dabei sein.

Und was hätten Sie gern erreicht oder wären Sie gern gewesen?
Ich hätte gern ein Musical wie Cabaret geschrieben oder wie Showboat. Mit Liedern, die nie altmodisch und Texten, die nie unmodern werden. Ich wäre auch gern ein technisch begabterer Jazzpianist gewesen. Und ein Frauen-Typ. Und umfassend statt halbgebildet.

Und wenn Sie nochmal anfangen könnten?
Ich würde wohl alles genau so machen, unbewusst-instinktiv.

Was ist Glück?
Morgens früh gesund und tatendurstig zu erwachen und beim Schwimmen den Tagesplan zu überdenken. – Arbeiten an einer Illustrationsmusik. überhaupt: arbeiten. – Die Berge. – Das Meer. – Mein wilder, aber von mir behutsam gepflegter Garten. – Ein Bergbach. – Eine Stute mit ihrem Fohlen auf der Weide. – Ein Mai-Spaziergang durch das sonnige Bille-Tal im Sachsenwald. – Eine kleine rote Straßenbahn in der Ferne bei Innsbruck. – Ein vorbeischwimmendes Isarfloß, auf dem die Kapelle gerade Marmorstein spielt. – Am Münchner Hauptbahnhof anzukommen. In Key West zu landen. – Eine entzückend menschenkluge Äußerung meiner geliebten Ehefrau. Und ihre Augen. – Sich vom Dichter verstanden zu wissen, beim Lesen seines Werkes. – Von Weisheit erleuchtet zu sein, voll des süßen Weines.

Was macht Sie glücklich?
Verstanden zu werden, Anerkennung, schöne Musik, eine schöne liebevolle Frau, Kunst, Literatur, Natur, gutes aber einfaches Essen.

Was bedeutet Glück für Sie?
André Heller sagt: „Glück ist die Abwesenheit von Angst“. Ich meine, Glück ist nur momentan, Zufriedenheit ist das wichtigste.

Und was ist Unglück?
Dummheit. Intoleranz. Fanatismus. Grausamkeit. Totalitäres Staatswesen. Kälte. Wenn Freunde sterben. – Allein an einer Bar sitzen.

Und was bedrückt Sie?
Ein Leben lang das schlechte Gewissen, ich hätte alles noch ein wenig besser machen können.

Wünsche?
Dass meine Frau mich überlebt. – Bessere Tischmanieren. – Den Mac und den PC und überhaupt die moderne Technik wirklich perfekt zu verstehen und zu beherrschen sowie die Tücken des »Microsoft-Word«-Programmes sowie die Macken des Mac selbst beheben zu können. – Ein bisschen Frieden.

Ihre CDs für die einsame Insel?
Knappeste Auswahl: Alles von Erroll Garner, Oscar Peterson, Bill Evans, Dave Grusin, Art Tatum, CD »Basie Plays Hefti«, Mozart: Symphonien Jupiter, Haffner, G-moll KV 550, Beethoven: Sonate op. 111 und Streichquartett op. 136, Brahms: Die vier Symphonien, Dvorak: Symphonie Nr. 9 (»Aus der Neuen Welt«), Smetana: »Die Moldau«, Johannn Strauss: »Kaiserwalzer«, »Geschichten aus dem Wienerwald«, Wagner: »Rienzi«-Ouverture, Richard Strauss: »Ein Heldenleben«, Mendelsohn: Ouverture zu »Ein Sommernachtstraum«, Rossini: Overture zum »Barbier von Sevilla«, Schubert: Impromptus und Moments Musiceaux. Aber eigentlich müsste es ein ganzer Schrankkoffer sein. Mindestens. Eher zwei.

Ihr Verhältnis zu Ihren Mitmenschen?
Wie Michael Kunze es von mir sagt: Ich liebe sie.

Ihr Motto?
Es sind deren drei: Wir lernen bis wir sterben. – Ned dumm sei! – Respekt nur vor dem wirklich Respektablen haben.

Wo möchten Sie jetzt am liebsten sein?
Auf den Florida Keys.

Wofür lassen Sie alles stehen und liegen?
Für schöne Musik und eine schöne Frau.

Was bedeutet Heimat für Sie?
Wo ich mich wohlfühle, wo mein Klavier, meine Bücher, meine Bilder und meine Freunde sind.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Harmonie, Zweisamkeit.

Was haben Ihnen Ihre Eltern mitgegeben?
Beide offenbar mein Talent, und mein Vater dazu noch die (seltene) Unleidlichkeit.

Welche Bücher haben Sie nachhaltig beeinflusst?
BUDDENBROOKS, DER ZAUBERBERG, sowie fast alles von Theodor Fontane, Uwe Johnson und Robert Gernhardt, die HARMONIELEHRE von Arnold Schönberg.

Warum sollte man Latein lernen?
Um das Gefühl für Sprachen überhaupt auszubilden.

Welche Musik mögen Sie?
Jede interessante, von Bach bis Basie, am liebsten Mozart und Erroll Garner.

Welche Erfindungen sind für die Welt die wichtigsten gewesen?
Das Rad, der Quintenzirkel, der Chip.

Was möchten Sie verändern?
Wenn ich könnte: die Unvollkommenheit der menschlichen Rasse.

Woran glauben Sie?
An das Gute.

Welche Werte sollen wir unseren Kindern weitergeben?
Den Glauben an das Gute.

Welche Bedeutung hat der Tod für Sie?
Er ist das absolute Ende des Daseins, zurück bleibt nur, was man geschaffen hat. Matthias Claudius sagt zum Lebensende des Menschen: »…und er kömmt nimmer wieder«.

Sind Sie abergläubisch?
NEIN, aber man soll nix »verschreien«.

Wer oder was hat Ihr Leben am meisten geprägt?
Die Musik, die Literatur, die bildende Kunst.

Kann man Sie verlegen machen?
NEIN, aber WÜTEND.

Sieht man es Ihnen an?
Ja. Ich werde ROT vor Wut.

Was macht Sie denn wütend?
Wenn man mir Unredlichkeit unterstellt.

Wofür haben Sie sich schon einmal geschämt?
Für meine erste Scheidung.

Worüber können Sie lachen?
Über lachhaftes, leider manchmal auch über die Dummheit.

Worüber lachen Sie gern?
Über intelligente oder skurrile Witze mit unerwarteten Pointen.

»Schadenfreude ist die schönste Freude!« Gilt dieser Spruch auch für Sie? Wenn ja, gibt es eine Geschichte dazu?
Er gilt NICHT für mich. Ich bin kein Neider, sondern ein Bewunderer. Ich gräme mich, wenn mein Freund Ralph Siegel nicht einen der ersten Plätze in der Eurovision belegt.

Wer spielt(e), und warum, in Ihrem Leben die wichtigste Rolle?
Meine Mutter. Die Musik. Die Sprache.

Welcher Figur sahen sie als Baby ähnlich?
Winston Churchill.

Welches Erlebnis aus der Kindheit ist Ihnen in besonderer Erinnerung?
Die dreitägige Bahnreise von Oberfranken nach Hamburg kurz vor Kriegsende durch das buchstäblich sterbende Deutschland.

Haben Sie heute Ihren Traumberuf?
Aber absolut!!!

Gab es früher einen anderen Berufswunsch?
Nein, nur sporadisch Grafiker, weil ich auch zeichnen, Schrift und Typografie kann.

Womit haben Sie schon einmal Geld verdient?
Als Jazzmusiker.

Was macht Sie traurig?
Die Unvollkommenheit der menschlichen Rasse.

Sie haben drei Wünsche.Was wünschen Sie sich privat/beruflich?
1.: Gesundheit,
2.: Gesundheit,
3.: Gesundheit

Wem möchten Sie gern einmal begegnen?
Mozart, Beethoven, Brahms, Dvorak, Robert Stolz, Jerome Kern, Irving Berlin, George Gershwin, Cole Porter, Richard Rodgers.

Wem möchten Sie lieber fern bleiben, bzw. wen auf keinen Fall kennen lernen?
Adolf Hitler und seinen Verbrecher-Genossen, auch nicht im Spielfilm.

Was hat Ihnen das letzte Mal die Sprache verschlagen?
Kommt eigentlich nicht vor…

Welche Marotte, welchen Tick sagt man Ihnen nach?
Alles symmetrisch anordnen, Zigarettenkippen sauber aufzuschichten; Eisenbahn-Narr (richtige GROSSE Eisenbahn, keine Spielzeugeisenbahn).

Was mögen Sie an Talkshows im Fernsehen?
Die Spontanität. Vernünftige Fragen.

Was nicht?
Unvernünftige Fragen. Ausweichende Antworten.

Welche Fragen sind Ihnen lästig?
Fragen, die voll daneben liegen.

Womit kann man Sie ärgern?
Wenn man mich ausfragt, sich aber vorher nicht sachkundig über mich gemacht hat.

Wen oder was würden Sie mit auf eine Insel nehmen?
1 . Meine Frau.
2. Ein bis zwei Schrankkoffer voller CDs samt Player und Stromgenerator (s. o.).
3. JAHRESTAGE von Uwe Johnson (vier Bände)
3. Bleistift und Papier.

An welchen Orten fühlen Sie sich am wohlsten?
Am Master-Keyboard des Musik-Computers in meinem Studio. In einer Kneipe. Im Bett.

Was sehen Sie als Ihre bisher größte Leistung an?
Einigermaßen bescheiden geblieben zu sein.

Was sehen Sie selbst als Ihre bisher größten Erfolge an?
»Marmor, Stein und Eisen« und meine Serien-Musiken.

Was sehen Sie selbst als größten eigenen Misserfolg/Niederlage?
Ich bin ein ziemlich schlechter Geschäftsmann.

Welche Arbeit in Haus und Hof mögen Sie?
Haus lieber nicht. Außer für meine Frau den Morgenkaffee zubereiten. Garten ja.

Womit verbringen Sie Ihre freie Zeit am liebsten?
In meinem sonnigen Garten. Lesen. – Oder: Wandern.

Ihre Devise für die nächsten sieben Tage?
Skeptisch-enthusiastisch das Mögliche ermöglichen.

Und zu guter Letzt?
Ein Lied!

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Weblinks zu weiteren Interviews und Berichte:

Hier werden weitere Fragen beantwortet.

Hinternet-Interview

Interview auf Muenster.de

Über Marmor, Stein und Eisen bricht (Spiegel.de)

Erlebte Geschichten (WDR5.de mit Audio-File)